SAECVLA SPIRIRALIA   53

Stephan HEILEN: Konjunktionsprognostik in der Frühen Neuzeit.
1. Band: Die Antichrist-Prognose des Johannes von Lübeck (1474) zur Saturn-Jupiter-Konjunktion von 1504 und ihre frühneuzeitliche Rezeption. 2020. XII, 710 Seiten, 10 Abb. ISBN 978-3-87320-453-9

Die im spätantiken Persien erfundene Konjunktionsastrologie untersucht nicht individuelle Geburtshoroskope, sondern seltene Planetenkonjunktionen, aus denen sie große historische Ereignisse, insbesondere die Schicksale von Königreichen und Religionen, voraussagt. Durch arabische Schriften wurde diese Lehre dem Abendland vermittelt und entfaltete dort vom 13. bis 17. Jahrhundert eine enorme Wirkung.
Diese wurde bisher kaum erforscht; wissenschaftliche Editionen und Kommentare zu frühneuzeitlichen Konjunktionsprognosen fehlen bisher völlig. Diesem Missstand soll eine auf drei Bände konzipierte Studie abhelfen, die sich exemplarisch auf die zahlreichen Prognosen anlässlich der Saturn-Jupiter-Konjunktionen von 1484 und 1504 konzentriert.
Der hier vorgelegte erste Band bietet eine Einführung in das Gesamtwerk und erschließt danach den frühesten relevanten Text, den Johannes von Lübeck 1474 in Padua verfasste, unter philologischen, astronomischen, astrologischen, theologischen, dämonologischen und kulturgeschichtlichen Gesichtspunkten.
Dieser Text macht detaillierte Voraussagen dazu, wann und wie die nach zeitgenössischer Überzeugung nicht mehr ferne letzte Weltreligion, die Schreckensherrschaft des Antichristen, kommen werde. Es handelt sich in mehrfacher Hinsicht um einen der wichtigsten Texte des untersuchten Zeitraums. Eine Analyse seiner Rezeption durch frühneuzeitliche Leser in verschiedenen sozialen Milieus und in verschiedenen Teilen Europas rundet den ersten Band ab.

Siehe auch:
Silvia PFISTER: Parodien astrologisch-prophetischen Schrifttums. Michel CHOMARAT: Bibliographie Nostradamus, XVIe - XVIIe - XVIIIe siècles.

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