SAECVLA SPIRIRALIA   25 / 26

Ursula JAITNER-HAHNER: Humanismus in Umbrien und Rom. Lilius Tifernas, Kanzler und Gelehrter des Quattrocento. 2 Bände. 1993. 894 Seiten, 18 Abbildungen.

In den Untersuchungen zum Humanismus des Quattrocento fand Lilius Tifernas als Übersetzer Lukians, des Johannes Chrysostomus und besonders des Philon von Alexandrien zunehmend Beachtung. Leben und Gesamtwerk dieses umbrischen Humanisten blieben bisher aber weitgehend unbekannt, obwohl Lilius aufgrund seiner Herkunft, Ausbildung und Karriere als typischer Vertreter des »Bürgerhumanismus« florentinischer Prägung gelten kann. Dies Buch nun, ein Ergebnis intensiver Quellenforschungen, schafft in beiden Bereichen Klarheit. Im ersten Teil wird Lilius’ Biographie auf der Basis zahlreich vorhandener Archivalien erstellt, wobei dieser Humanist nicht nur in seiner Bedeutung als Kanzler von Città di Castello gezeigt wird, sondern auch als Inhaber hoher Ämter in verschiedenen Städten Umbriens und der Toskana, als Mitarbeiter Kardinal Bessarions nach dem Konzil von Florenz und als Vermittler geistiger Strömungen, die am Papsthof des späten Quattrocento gepflegt wurden. Der zweite Teil ist Lilius’ literarischem Werk gewidmet, wobei die erstmalige Identifizierung zahlreicher Autographen und Vorlagen es erlaubt, Lilius’ Arbeitstechniken als Kopist, Textkritiker, Dichter, Epitomator und Übersetzer genau zu verfolgen. Ein umfangreicher Editionsteil enthält Dokumente zur Biographie des Tifernaten, seine Gedichte sowie die Prologe und Begleitschreiben zu seinen Werken. lm Anhang findet man Verzeichnisse der ungedruckten Quellen und der Literatur sowie ein Register. Mit einem italienischen Resümee.

»Dank der Heranziehung eines umfangreichen Quellenmaterials, insbesondere aus den Archiven, vermag die Verf. Lilius' Lebenslauf bis in die Einzelheiten zu rekonstruieren, eine typische Humanisten-Vita, die »eng an die politische und kulturelle Entwicklung Italiens im 15. Jahrhundert gebunden« (S. 7) ist. Während auf die Biographie 155 Seiten entfallen, nimmt die Behandlung von Lilius' gelehrtem Schaffen die Seiten 158-413, also den Hauptteil der Arbeit ein, die mit einem Resümee auf italienisch abgeschlossen wird. Auf dem Nachweis humanistischer Züge in Lilius' Leben und Werk liegt der Schwerpunkt dieser in jeder Hinsicht mustergültigen Arbeit, die unser Wissen über den Humanismus des Quattrocento auf einer von der Forschung vernachlässigten mittleren Ebene bereichert. Es stellt sich heraus, daß der Humanismus keineswegs eine esoterische Lehre einer elitären Minderheit gewesen, vielmehr in die feinsten Verästelungen des italienischen Geisteslebens eingedrungen ist.«
August Buck in den Wolfenbüttler Renaissance Nachrichten. Jahrgang 17, Heft 3 (Dezember 1993) Seite 141f.

»[Die Einordnung Lilius'] leistet nun die Vf. aufgrund umfangreicher Archivforschungen und Handschriftenuntersuchungen. Sie gleidert ihre Darstellungen übersichtlich in einen historischen Teil und einen stärker philologisch orientierten Teil, wobei sie mit vorbildlicher Klarheit und Sorgfalt überall dort, wo es nötig ist, Vermutungen von gesicherten Tatsachen abgrenzt, sie begründet und gegen mögliche Alternativen abwägt.«
Christiane Schuchard in Quellen und Forschungen aus Italienischen Archiven und Bibliotheken. Band 74, 1994. Seiten 730-732.

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