SAECVLA SPIRITALIA   20

Dieter WUTTKE: Kosmopolis der Wissenschaft. E. R. Curtius und das Warburg Institute. Briefe 1928-1953 und andere Dokumente.
1989. 416 Seiten, 48 Abbildungen und Faksimiles.

Von 1928 bis 1953 unterhielt der Philologe und Romanist Ernst Robert Curtius einen regen Briefwechsel mit der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg bzw. dem Warburg Institute. Die Briefe offenbaren erstmals, wie stark sich Curtius für sein großes Werk über Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter Warburgs methodischem Ansatz und seinem kulturwissenschaftlichen bzw. kulturpolitischen Programm verbunden fühlte. Sie zeigen auch die Bedeutung der gelehrten Freundschaft für wissenschaftliche Leistungen und Curtius' Verehrung für Warburg. Ferner vermitteln sie Einblicke in die Lebensumstände und die Arbeitsweise des bekannten Romanisten und belegen dessen Rom-Begeisterung. Wuttke hat seine reichbebilderte und kommentierte sowie durch ein Register erschlossene Edition dieses Briefwechsels zu einem kulturgeschichtlichen Lesebuch ausgestaltet. In den umfangreichen Beilagen findet man eine Chronik der Beziehungen zwischen Warburg und Curtius sowie Zeugnisse anderer über die Nachwirkungen des gemeinsamen Rom-Erlebnisses. Ergänzend kommen verschiedene, bislang nur schwer oder gar nicht zugängliche Dokumente hinzu, die Hintergrundwissen zu Warburg, zu seiner Bibliothek und deren Mitarbeitern oder zu im Briefwechsel angeschnittenen Fragen an die Hand geben. Insbesondere wird der Leser mit der für Außenstehende weitgehend unbekannten Geschichte des Warburg-Instituts in den 30er, 40er und im Anfang der 50er Jahre bekannt gemacht. Darüber hinaus leistet der Band einen Beitrag zu den Biographien Fritz Saxls und besonders Gertrud Bings, der langjährigen Assistentin Warburgs, die 1955 die Leitung des Warburg-Instituts übernahm. Die Informationen über Bing dürften auch für all diejenigen aufschlußreich sein, die nach den Bedingungen und Umständen der wissenschaftlichen Laufbahn einer Frau in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts fragen. Besonders zu erwähnen ist, daß Warburgs Abhandlung über Manets Dejeuner sur 1'herbe, der einzige vollendete Text des von ihm geplanten Mnemosyne-Atlas, hier zum ersten Mal im Druck vorgelegt wird.

»Eine Fundgrube für die deutsche Geistesgeschichte der betreffenden Jahrzehnte überhaupt, liefert [der Band] insbesondere eine sehr konkrete Geschichte des Warburg-Institute, seiner Existenzschwierigkeiten bis zur allmählichen Konsolidierung, und einen höchst wertvollen Beitrag zur Kenntnis und Erkenntnis der Persönlichkeit von Ernst Robert Curtius. «
Hans Helmut Chistmann in arcadia 25 (1990), Seiten 66-73

»Der Briefwechsel zwischen Ernst Robert Curtius und dem Warburg Institute, der sich, nur von den Kriegsjahren unterbrochen, von 1930-1953 erstreckte und den der Bamberger Germanist Dieter Wuttke kürzlich ediert und um eine Reihe wichtiger Texte ergänzt hat, dokumentiert nicht nur die Stationen auf dem Weg zu einem genialen Philologenwerk. Er beleuchtet auch Wege der Wissenschaftsgeschichte, die durch sehr finstere Täler verliefen und von deren Existenz nur wenige bisher wußten.«
Ulrich Raulff in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nº 64 vom 16. März 1991.

Siehe auch:
Ernst Robert Curtius. Briefe aus einem halben Jahrhundert. Eine Auswahl. Herausgegeben und kommentiert von Frank-Rutger Hausmann.

Weitere Titel von Dieter Wuttke:
Aby M. Warburg Bibliographie 1866-1995, Werk und Wirkung.
mit Björn Biester: Aby M. Warburg Bibliographie 1996 bis 2005.
Aby M. Warburg. Ausgewählte Schriften und Würdigungen.
Sebastian BRANT: Das Narrenschiff.
Fokus Panofsky. Beiträge zu Leben und Werk von Erwin Panofsky
From Wolfram and Petrarch to Goethe and Grass. Studies in Literature in Honour of Leonard Forster.
sowie
Poesis und Pictura. Studien zum Verhältnis von Text und Bild in Handschriften und alten Drucken. Festschrift für Dieter Wuttke
ARTIUM CONJUNCTIO. Kulturwissenschaft und Frühneuzeit-Forschung. Aufsätze für Dieter Wuttke.

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