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Klaus ARNOLD: Niklashausen 1476. Quellen und Untersuchungen zur sozialreligiösen Bewegung des Hans Behem und zur Agrarstruktur eines spätmittelalterlichen Dorfes. 1980. x, 386 Seiten, 7 Abbildungen, 2 Karten.

Die Niklashäuser Wallfahrt von 1476 markiert einen der Wendepunkte des deutschen Spätmittelalters; man hat die Bewegung ihres Propheten Hans Behem als Beginn einer »frühbürgerlichen Revolution« gesehen, ihn selbst unter die Vorläufer des sogenannten Bauernkriegs gerückt. Das Buch stellt einleitend Quellen und Literatur vor, skizziert in seinem ersten Teil das geistig-religiöse Umfeld des deutschen 15. Jahrhunderts, schildert Herkunft und Schicksal des »Paukers von Niklashausen« und seines Programms und unternimmt des weiteren eine subtile Untersuchung der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Agrarstruktur, der rechtlichen und sozialen Verhältnisse des Dorfes Niklashausen bei Wertheim. Im Quellenteil sind die 72 bekanntgewordenen Zeugnisse bis zum Jahre 1550 zur Geschichte der Niklashäuser Fahrt sowie zu Rechts- und Wirtschaftsgeschichte des Dorfes von 1359 bis 1545 abgedruckt. Tabellen, Verzeichnisse, Register.

»A fine piece of detective work. «
R.W. Scribner in Journal of Ecclesiastical History 1983.

»’Niklashausen’ war ein Glied in der Kette von Eruptionen angestauten Unmuts, der sich am Verhalten der Kleriker und der Obrigkeit, an den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem Niedergang des Reiches entzündete. Arnold hat in beeindruckender Akribie den Fall beschrieben: zuerst die Vorgänge in und um Niklashausen, dann den Ort des Geschehens, beides eingebettet in eine Schilderung der Mißstände, die als gesammelte Beschwerden immer wieder die Reichstage des 15. und 16. Jahrhunderts beschäftigten. [...] Verständlich wird dieser Protest nur vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Verhältnisse, die Arnold für den Ort Niklashausen präzise beschreibt.«
DIE ZEIT, 22.01.1982 Nr. 04

»In der Vorgeschichte des großen Bauernkrieges von 1525/26 und der Diskussion um die frühbürgerliche Revolution findet meist auch die Geschichte des »Pfeifers von Niklashausen« eine kurze Würdigung. Das vorliegende Buch geht diesem Thema überaus gründlich nach und stellt einerseits die sogenannte Niklashäuser Wallfahrt des Jahres 1476, bei der Hans Behem, der Pfeifer von Niklashausen, auftrat und die bäuerlichen Gravamina erstmals gültig formulierte, genauestens dar, andererseits ist der zweite Teil des Buches dem Versuch einer Strukturanalyse der sozioökonomischen und rechtlichen Bedingungen des Dorfes Niklashausen gewidmet. Damit wird der überaus interessante und vielversprechnende Versuch unternommen, die beiden in der Bauernkriegsforschung eher beziehungslos nebeneinanderlaufenden Stränge der personengeschichtlichen Forschung sinnvoll zu verbinden. Die Grundfrage ist es, die Bedingungen des Wirkens einer Einzelpersönlichkeit durch eine umfassende sozioökonomische Analyse ihres Hintergrundes darzulegen.«
Karl Vocelka in den Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung Band XC, Heft 3/4, Seite 505.

»Auf die eingehende Erörterung von Quellenlage und Forschungsstand folgt eine minutiöse Untersuchung der Ergebnisse selbst und ein Anhang von 72 mit größtmöglicher Akribie herausgegebenen Quellenstücken, der Anspruch auf Vollständigkeit erheben darf, die vorhandene Dokumentation der Ergebnisse vollständig zu erfassen. Dank seiner sorgfältigen, von Liebe zum Detail geprägten Arbeitsweise gelingt es A., erstmals die Herkunft Behems aus dem zwischen Würzburg und Wertheim gelegenen Helmstadt nachzuweisen.«
Wolfgang Reinhard im Historischen Jahrbuch 103/1

Siehe auch:
Poesis und Pictura. Studien zum Verhältnis von Text und Bild in Handschriften und alten Drucken. Festschrift für Dieter Wuttke.
ARTIUM CONJUNCTIO. Kulturwissenschaft und Frühneuzeit-Forschung. Aufsätze für Dieter Wuttke.

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