INKUNABELKATALOG DER ZENTRALBIBLIOTHEK ZÜRICH

Herausgegeben von Christian Scheidegger
unter Mitarbeit von Belinda Tammaro
2 Bände, Leinen. 2008-2009. IV, 784 Seiten, 119 Abbildungen, 32 Farbtafeln. Euro 300,--
ISBN 978-3-87320-720-2 / 978-3-87320-723-3

Band 1: Einleitung, Verzeichnis der abgekürzten Literatur, Katalog A-J
Band 2: Katalog K-Z, Register: Nebenautoren, Herausgeber, Übersetzer; Drucker, Verleger und Buchhändler nach Druckorten; Buchbindereien nach Orten oder Regionen; Vorbesitzer, Rubrikatoren und Benutzer (Körperschaften nach Orten). Konkordanzen: Konkordanz der GW-Nummern, Konkordanz der Hain-Nummern, Konkordanz der BSB-Ink-Nummern, Konkordanz der ZB-Signaturen. Legende der Farbabbildungen, Farbtafeln.

Bibliotheca bibliographica Aureliana 220 & 223

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt 1526 Inkunabeln. Gemessen an der Gesamtproduktion gedruckter Bücher bis 1500 sind das verschwindend wenige, und auch im Vergleich mit großen ausländischen Bibliotheken hat die hiesige Sammlung nur einen bescheidenen bis mittleren Umfang. Ihre Erschließung in Form eines gedruckten Katalogs lohnt sich dennoch, weil das Hauptaugenmerk auf die Beschreibung der Einzelexemplare gerichtet ist. In den vergangenen Jahrzehnten sind viele solcher Inkunabelkataloge im Druck erschienen, bisher jedoch nur wenige von Schweizer Bibliotheken. Um so erfreulicher ist es deshalb, der Fachwelt und allen sonst Interessierten diesen neuen Katalog vorstellen zu dürfen. Die Inkunabelsammlung der Zentralbibliothek Zürich ist aufgrund ihrer Geschichte und Zusammensetzung nicht nur von regionaler Bedeutung. Zu erwähnen sind zum Beispiel 21 Titel aus dem Besitz oder mit Annotationen von Huldrych Zwingli. Sie und viele Inkunabeln aus vorreformatorischen Büchersammlungen gelangten in die 1532 gegründete reformierte Stiftsbibliothek am Großmünster Zürich. Interessant, aber nur wenig untersucht sind in diesem Zusammenhang die Bände aus dem Augustiner-Chorherrenstift St. Martin auf dem Zürichberg. Die zweite wichtige Vorgängerbibliothek war die 1629 gegründete Stadtbibliothek Zürich, die durch zahlreiche Schenkungen ein rasches Wachstum erlebte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als 800 Inkunabeln zu ihren Zimelien zählte. Die Wiegendrucke in der 1835 gegründeten Kantonsbibliothek Zürich stammten zum größten Teil aus der reformierten Stiftsbibliothek und dem 1862 säkularisierten Kloster Rheinau. Die Zentralbibliothek Zürich vereinigte schliesslich 1917 die genannten Sammlungen. Ein Sammelschwerpunkt ist nicht feststellbar. Vertreten sind Gelehrtes und Volkstümliches, wissenschaftliche Theologie und Erbauungsliteratur, antike, scholastische und humanistische Autoren; es sind Werke des gesamten Wissens im Spätmittelalter, neben der Theologie und Philosophie hauptsächlich Sprachen, Literaturen, Recht, Medizin und Geschichte. Unter den vielen Besonderheiten sei auf eine italienische Prachtbibel, illuminiert vom Pico-Meister, und ein Dutzend Unikate aufmerksam gemacht. Der Katalog verzeichnet alle Inkunabeln in der Zentralbibliothek Zürich in alphabetischer Ordnung der Verfassernamen und anonymen Sachtitel. Neben dem editorischen Teil werden Buchschmuck, Annotationen, Vorbesitz und Einband beschrieben.
 

»Der vorliegende Katalog der Züricher Zentralbibliothek repräsentiert als ein erfreuliches Beispiel den Fortschritt, den die Erschließung der Altbestände, namentlich der Inkunabeln in der Schweiz seit geraumer Zeit macht. [...] Die Ausstattung ist von der Einbandgestaltung sehr gediegen; Typographie und Layout sind exzellent gestaltet und bewirken eine hohe Leserlichkeit. Nützlich sind die zahlreichen schwarz-weiss Abbildungen im Text und die sehr qualitätvollen Farbtafeln am Schluss. Das zeigt, es ist nicht nur ein sehr nätzliches, sondern – vielleicht für einen Inkunabelkatalog nicht unbedingt zu erwarten – auch ein sehr schönes Buch.«
Wolfgang Schmitz, Köln, in den Wolfenbüttler Notizen zur Buchgeschichte Jahrgang 35, Heft 2, 2010, Seiten 208-212.

»Die Einleitung geht ausführlich auf die Sammlungsgeschichte ein und analysiert die sachliche und sprachliche Zusammensetzung der Inkunabeln. Die Theologie ist mit 615 Werken am stärksten vertreten, Sprachen und Literatur folgen mit 358 Inkunabeln, kanonisches und ziviles Recht stellen mit 264 Frühdrucken die dritte Gruppe dar. Philosophie, Medizin und Historiographie machen zusammen 193 Drucke aus, den Rest teilen sich Naturwissenschaften, Enzyklopädien und kleinere Schriften aus weiteren Fachgebieten. Zwölf griechische und elf hebräische Inkunabeln sind hervorzuheben. In der Anlage des Kataloges folgt die Katalogisierung der Züricher Inkunabeln dem – dies gilt vor allem für Bestände, die mit INKA erschlossen wurden – bewährten Modell und hält eine sehr gut ausgewogene Balance zwischen einer knappen Präsentation der Inhalte und der nötigen Ausführlichkeit im Detail. Auf Information, die ebenso gut dem Gesamtkatalog der Wiegendrucke (GW) oder dem Inkunabelkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB-Ink) entnommen werden kann, verzichtete der Katalog dankenswerterweise zugunsten einer genauen exemplarspezifischen Beschreibung, die auch eine Einbandbeschreibung enthält. Falls vorhanden, wird auf die Nummer der Einbanddatenbank verwiesen. Erschlossen wird der auch drucktechnisch überaus ansprechend und übersichtlich gestaltete Katalog durch drei Register (Nebenautoren, Herausgeber und Übersetzer; Drucker; Vorbesitzer, Rubrikatoren und Benutzer); drei Konkordanzen (GW, Hain, BSB-Ink) sowie eine Signaturenkonkordanz. Nicht zuletzt sorgen gute Schwarzweißabbildungen innerhalb des Textes sowie am Ende des zweiten Bandes 36 Farbtafeln in hervorragender Qualität für einen Einblick in den Züricher Inkunabelbestand, wie er besser nicht sein könnte.«
Eva Raffel in Informationsmittel für Bibliotheken (IFB)

»Der Katalog der Inkunabeln der Zentralbibliothek Zürich ist ein Werk auf der Höhe seiner Zeit, ein wertvoller Beitrag zur Erforschung des alten gedruckten Buches [...] eine Veröffentlichung von hohem buchhistorischem Wert.«
Wolfgang Undorf in Aus dem Antiquariat, neue Folge 8 (2010) N° 1 Seite 43f

»Esemplarspezifisch beschrieben sind, so dass Autopsie kaum noch notwendig ist, Vorbesitz, Einband, Buchschmuck und nicht zuletzt gegebenenfalls Annotationen, wie sie eine spezielle Richtung der Frühe-Neuzeit-Forschung interessieren: Sowohl die dem Katalog durchgehend beigefügten schwarz-weißen Faksimiles (darunter ein Fußschnitttitel) als auch die vorzüglichen farbigen Tafeln im Anhang bieten einige Beispiele für diese handschriftliche 'Textsorte', außerdem einige typographische Dokumentationen an der Peripherie der carmina figurata. (...) Zum editorischen Teil gehören außer den bibliographischen Wiedergaben der Katalogisate die jeweiligen Nennungen der Blattzahl, des Formats und der Signatur sowie die Hinweise auf die einschlägigen Konkordanzen, die obendrein auch tabellarisch abgedruckt sind (GW-, Haun-, BSB-Ink-Nummern; ZB-Signaturen). (...) Die Legenden der Farbabbildungen sind geschlossen vorweggenommen und stören so deren jeweiligen Gesamteindruck nicht.
Der mit Texten der Frühen Neuzeit befasste Literatur- und Kunstwissenschaftler – und nicht nur er – kann sich auf dieses historisch von vielen Forschern vorbereitete und vom heutigen Herausgeber und vom Verleger wissenschaftlich und 'handwerklich' ausgezeichnet aufbereitete Material gewinnbringend stützen.«

Klaus Haberkamm in Simplicinana

Siehe auch

Manfred Vischer: Bibliographie der Zürcher Druckschriften des 15. und 16. Jahrhunderts, erarbeitet in der Zentralbibliothek Zürich. 1992. 558 Seiten. 978-3-87320-124-8
Bibliotheca bibliographica Aureliana 124

Manfred Vischer: Zürcher Einblattdrucke des 16. Jahrhunderts. 2001. 256 Seiten, 24 Abbildungen.
978-3-87320-185-9
Bibliotheca bibliographica Aureliana 185

Regula Puskás: Die mittelalterlichen Mettenresponsorien der Klosterkirche Rheinau. Studien zum Antiphonar in HS Zentralbibliothek Zürich Rh 28. 1984. 206 Seiten. 978-3-87320-568-0
Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen 68

Zum Zürcher Antistes Rudolf Gwalther mehrere Bände.